Ev. Luth. Kirchengemeinde Ledeburg Stöcken
Startseite  ·  Impressum
 
 Wegweiser


 
 
Partnerschaft mit Südafrika





Unsere seit 1987 bestehende Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Tlaseng in Südafrika


Entstehung

Im Jahre 1793 gründen Missionare aus Hermannsburg die erste Missionsstation in Südafrika und legten damit den Grundstein für eine selbstständige lutherische Kirche.
Nach Besuchen des Bischofs der zuständigen West-Diözese faßte der damalige Kirchenkreis Nord-West 1982 einen Beschluß über die Bildung eines Komitees für die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Tlhabane.
Nach der Gründung von Partnerschaften anderer Gemeinden des Kirchenkreises beschloss der Kirchenvorstand der Corvinuskirchengemeinde 1987, eine Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Tlaseng und ihren fünf Teilgemeinden einzugehen.
Im Jahre 1990 beschließt auch unsere regionale Partnergemeinde Bodelschwingh eine Partnerschaft mit der Gemeinde Maile.
In der Zeit seit 1982 besuchten Vertreter des Kirchenkreises Thlabane sechsmal, Vertreter des Kirchenkreises Hannover Nord-West viermal die Partnerkirchenkreise.

Die Partnerschaft lebt vorwiegend von den Begegnungen durch diese Besuche; korrespondiert wird eher sporadisch.
Am ersten Sonntag des Monats werden Fürbitten gehalten, die für das jeweilige Jahr für beide Seiten vereinbart sind.
Einmal im Jahr findet ein Partnerschaftsgottesdienst statt, bei dem Lieder und Predigttext ebenfalls gemeinsam vereinbart sind.


Situation in Südafrika

Mit dem Ende des Apartheitsregimes 1994 begann zunächst ein verheißungsvoller Weg unter der Führung des allseits anerkannten charismatischen Präsidenten Nelson Mandela. Die Vielfältigkeit der Völkerschaften wurde unter der Bezeichnung "Regenbogennation" akzeptiert. Eine Versöhnungskommission versuchte, die Feindschaft zwischen den Fronten aufzuarbeiten. Auch auf dem Gebiet der Erziehnug, des Wohnungsbaus und der Infastruktur (Wasserversorgung, Elektrizität, etc.) wurde viel geleistet.

Aber die großen Probleme konnten vom neuen Präsidenten Thabo Mbeki, einem sehr kühlen und technokratischen Politiker, und seiner Regierung nicht gelöst werden:
Die Aidsseuche ist die Geißel Südafrikas: Jeder Neunte ist erkrankt, 1998 waren es 23% der schwangeren Frauen, 25% der Minenarbeiter. Eine besonderes Problem sind die Kinder, deren Eltern oder nächste Verwandte gestorben sind.
Allmählich wächst auch in den Kirchen die Erkenntnis helfen zu müssen, durch freiwillige Helfer/innen und mit Geld.
Die Regierung hatte sich zunächst gesträubt, tätig zu werden; sie hatte auch einen Kampf gegen die Pharmakonzerne zu führen, die die Lieferung verbilligter Mittel ablehnten.

Ein weiteres Problem ist die Arbeitslosigkeit, besonders unter der Jugend; schließlich die Kriminalität, nicht zuletzt als Folge der Probleme elternloser Jugendlicher.

Zudem hat sich Südafrika in den Krieg im Kongo verstrickt. Die dafür und für ehrgeizige Waffenprojekte aufgewendeten Mittel fehlen zur Lösung dringender Probleme.


Aspekte und Perspektiven der Partnerschaft

Durch die Partnerschaft mit der Gemeinde Tlaseng gewinnt die Gemeinde beispielhaft einen Blick in die weltweite Christenheit. Sie hilft, die Probleme der Partnergemeinde zu tragen und kann wissen, dass auch an den eigenen Problemen Anteil genommen wird.
Freilich ist noch viel zu tun, um dies im Gemeindebewußtsein zu verankern, wird doch die Partnerschaftsarbeit bisher nur von einem kleinen Kreis getragen (federführend Gerhardt Beyse).
Eine Unterstützung dabei ist die Zusammenarbeit in der "Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft Tlhabane".
Ein Gebiet der Hilfe ist die Unterstützung beim Kampf gegen Aids.

Eine Bereicherung ist die Erfahrung des spontanen Wesens, der tiefen Frömmigkeit und Dankbarkeit unserer Partner bei Ihren Besuchen hier oder bei Begegnungen unserer Vertreter dort im Lande.

So ist eine Mitarbeit sehr erwünscht, besonders von Jüngeren.





„Ja, hier leben Menschen!"

Eindrücke einer Reise nach Südafrika

von Pastor Helmut Wittke

Eine Müllhalde am Rande einer Siedlung. Aus Abfall und Müll haben sich hier Menschen eine Behausung gebaut und leben darin. Unvorstellbar war dieser Anblick für unsere Delegation beim Besuch im Kirchenkreis Tlhabane in Südafrika vom 3. bis 17. November 2003. Ein Beispiel für die Gegensätze, die wir auf unserer 14tägigen Reise durch den Kirchenkreis und die Gemeinden erlebten.

Wir - das waren aus der Kirchenregion Corvinus-Bodelschwingh Dennis Höller und ich, die mit Superintendent Sundermann und drei weiteren Gemeindegliedern unseres Amtsbereiches unseren Partnerkirchenkreis besuchten. 14 Tage waren wir bei unseren Partnern, und der Besuch war gekennzeichnet von offenen und lebendigen Gesprächen miteinander.

Neben den Kontakten zu unseren direkten Partnern in den Kirchengemeinden (Tlaseng für Corvinus und Maile für Bodelschwingh) war eine wichtige Intention dieses Besuchs, diakonisch-soziale Projekte vor Ort kennenzulernen, um dann hier zu Hause Entscheidungen für eine finanzielle Unterstützung treffen zu können.

Wir konnten uns konkret von den Auswirkungen der AIDS-Epidemie überzeugen, die den ganzen afrikanischen Kontinent und somit auch Südafrika überzogen hat. Statistiken zu lesen, ist eine Sache, vor Ort die Armut und das Leid zu sehen, eine andere. Arbeitslosigkeit, AIDS, Armut, Kriminalität - alles hängt miteinander zusammen, und wir fragten nach dem diakonischen Engagement der Kirchengemeinden und des Kirchenkreises. Einige Hilfs- und Betreuungsprojekte konnten wir besuchen. Sie sind hoffnungsvoll, aber unser Eindruck war: es müßte noch viel mehr getan werden und gerade auch die Kirche sollte hier ein unübersehbares Zeichen setzen. In Zusammenarbeit mit Initiativen, staatlichen Maßnahmen und in eigenen Projekten sollte es sichtbar sein.

In unseren Partnergemeinden konnten wir uns vom Fortgang der Projekte überzeugen, die von der Corvinus- und der Bodelschwinghgemeinde unterstützt werden. Der Kirchbau in Maile steht vor der Fertigstellung, ein Teil des Daches mußte noch „zugemacht“ werden. Erfreulicherweise konnten wir hier gleich an Ort und Stelle (nach einem Telefonat mit Pastor Goede in Hannover) finanziell dafür sorgen, daß zu Ende gebaut wurde.



Die Gemeinde in Tlaseng-Lesung hat durch Spenden aus der Corvinusgemeinde das nötige Baumaterial zusammen. Hier geht der Bau aber nicht ganz so schnell voran, weil sachkundige Arbeitskräfte nur unregelmäßig zur Verfügung stehen und die Ehrenamtlichen bestimmte Arbeiten am Bau nicht durchführen können. Aber natürlich ist man dort zuversichtlich, daß eine „richtige“ eigene Kirche bald stehen wird.







Es fehlt der Platz, um alle Eindrücke der Reise wiederzugeben: die Gastfreundlichkeit unserer Partner, die fröhlichen, lebendigen Gottesdienste, den lebendigen, humorvollen Umgang miteineinander, aber auch die Erfahrung des Nebeneinander von Arm und Reich, auch in den Gemeinden, die schwierige soziale Situation, besonders auch in den ländlichen Gebieten, die schon genannten Probleme durch AIDS und Arbeitslosigkeit. Wir hoffen, daß der Austausch und die Verbundenheit unserer Partnerschaften nicht nur bleiben, sondern noch intensiviert werden können.









Diesen Artikel ausdrucken

[ Zurück ]

 
copyright 2006 by teachdesign