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Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)
Der Namenspatron der Bodelschwinghkirche




Tätiger Glaube im Umbruch der Zeiten

Friedrich von Bodelschwingh stammt aus einem alten westfälischen Adelsgeschlecht. Sein Vater war preußischer Minister gewesen, der junge Friedrich zeitweise Spielgefährte des Kronprinzen.

Zuerst wurde Bodelschwingh Landwirt. Im Alter von 23 Jahren entschloss er sich unter dem Einfluss einer Predigt zum Theologiestudium. Sein Dienst in der Kirche begann in Paris als Pastor unter den deutschen Auswanderern, die dort als Straßenfeger und Lumpensammler in großer Zahl ihr Leben fristeten.

Schon in der Pariser Zeit zeigte sich Bodelschwinghs organisatorische Begabung. In der Vorstadt La Villette entstand auf den Schutt- und Müllbergen der Stadt die „Hügelkirche“. Seit dem ersten Weltkrieg gehört diese Kirche der russisch-orthodoxen Flüchtlingsgemeinde. Es ist ein reizvoller Zufall, dass auch die Hügelkirche Bodelschwinghs in Paris wie unsere Bodelschwingh-Kirche an der Ledeburg ihre Gemeinderäume im Erdgeschoss und den Kirchenraum im ersten Stock hat.

1864 übernahm Bodelschwingh die Pfarrstelle Dellbrück in seiner Heimat Westfalen. Hier verliert er innerhalb von 14 Tagen seine 4 Kinder. Der schwergeprüfte Vater verfasst darüber seinen Bericht vom Sterben vier seliger Kinder.

1872 übernimmt er die Leitung einer Anstalt für Fallsüchtige in Bielefeld, die unter seiner Leitung zu der weltbekannten Stadt der Barmherzigkeit wird. Er gibt ihr den Namen Bethel (Haus Gottes). Aus der Fülle der Einrichtungen, die Vater Bodelschwingh in Bethel gründete, seien hier nur die Bethel-Mission und die Theologische Hochschule genannt.

Bodelschwingh erkannte früh die ungeheure Verelendung weiter Bevölkerungsschichten durch die Industrialisierung. An der notvollsten Stelle hat er sich in die Bresche gestellt. Sein Einsatz galt den rechtlosen herumziehenden Wanderburschen und Arbeitslosen. Unermüdlich gründete er Arbeiterkolonien. 1903 ließ er sich in den preußischen Landtag wählen, wo er in unermüdlichen Appellen für seine „Brüder von der Landstraße“ das Wanderarbeitsstättengesetz durchsetzte. Über diese unmittelbaren Aktionen zur Behebung der Not hat Bodelschwingh auch an einer Besserung der Verhältnisse gearbeitet. 1910 gründete er einen Verein „zur Beschaffung eigener Wohnungen mit Grundbesitz für den deutschen Fabrikarbeiter“.

Bodelschwingh hat Kaiser, Regierung und Parlament immer wieder auf ihre Verantwortung angesprochen. Aber die „christlich-sociale Partei“ des Oberhofpredigers Stöcker hat er ebenso wie die Idee eines christlichen Staates abgelehnt. Bodelschwingh wusste, dass in allen Bemühungen – auch allen christlichen – kein Paradies auf Erden zu schaffen ist. Gerade angesichts seiner Kranken weiß er um die Grenze aller Wohlfahrtsbemühungen und bleibt bei einer nüchternen zupackenden Sachlichkeit und ist dabei erfüllt von einer lebendigen Hoffnung auf das kommende Reich Gottes.

Das Geheimnis seiner begnadeten Menschenführung bestand darin, dass er in jedem Menschen den Bruder sah und für jeden Menschen Hoffnung hatte.

Im Blick auf den wiederkommenden Herrn hat er den Satz geprägt: „Das Wort unheilbar steht im Wörterbuch der Christen nicht mehr.“

Die Ehre des Bruders hochzuhalten, ist immer sein besonderes Anliegen gewesen. Er hat den an Massenunterkünften gewöhnten Landstreichern nach Möglichkeit eigene kleine Zimmer gegeben. Er hat die Arbeitsscheuen zu geregelter Tätigkeit ermuntert: „Zwang richtet Zorn an. Freiwilligkeit macht fröhliche Leute.“ Bevor es die Wissenschaft der Arbeitstherapie gab, hat sich Vater Bodelschwingh mit größtem Geschick bemüht, für seine kranken geeignete Beschäftigungen herauszufinden. Niemand war für Bodelschwingh umsonst und nutzlos. Die Kranken und Hilfsbedürftigen sind uns gegeben, um daran selbstlose Liebe zu lernen. In Patmos, dem Haus der schwersten epileptischen Kinder sieht Bodelschwingh die Hochschule der Liebe für seine Schwestern.

Man hat Bodelschwingh als den genialsten Bettler aller Zeiten bezeichnet. Er war ein unbequemer Bettler. Denn er wollte nicht nur Geld. Er wollte auch die persönliche Anteilnahme des Gebers und sein fürbittendes Gebet.









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