Predigten
Predigt zum Konfirmationsjubiläum am Palmsonntag 2008

Datum: Mittwoch 09 Mai 2007 13:53:17


Predigttext:  Joh. 12, 12-19
von Pastorin Ann Margaret Bär


Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Als Predigtwort für den heutigen Sonntag habe ich das Evangelium dieses Tages gewählt. Ich lese aus dem Evangelium des Johannes:

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme,

13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht:

15 "Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen."

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte.

17 Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat.

18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. Liebe Gemeinde, besonders liebe Goldene und Diamantene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Freude, Jubel und Palmwedel - ein großer Tag ist das heute. Die Menschen säumen die Straßen vor der Heiligen Stadt und jubeln: Jesus zieht in Jerusalem ein! Fünf Tage vor dem heiligen Passahfest sind Scharen von Pilgern zum heiligen Tempel gekommen. Aus dem ganzen Land strömen sie nach Jerusalem, um Gott ein Opfer zu bringen.

Viele von ihnen sind schon alt, sie haben den größten Teil des Lebens hinter sich. Sie haben hart gearbeitet, sich ein kleines Eigentum im Land erworben, Kinder groß gezogen. Mittlerweile sind auch die Enkel schon erwachsen. Sie haben viel geschafft, wenn auch der Ertrag ihrer Mühe bescheiden blieb. Aber was konnten sie schon erwarten bei der Politik? So viele Abgaben! Unter Herodes hatten sich auch Gewalt und Betrügerei unter den Menschen ausgebreitet.

Als keiner mehr so richtig an einen Umschwung im Land glaubt, spricht sich ein Gerücht herum: Ein gewisser Jesus - manche nennen ihn schon ihren König - zieht durch das Land und versetzt mit seinen Taten die Menschen in helle Freude. Zuletzt, erzählt man sich, habe er einen Toten, Lazarus, nach vier Tagen aus dem Grab zum Leben erweckt. Überall, wo dieser Jesus hinkommt, laufen ihm die Menschen nach: Ihr Retter sei er und von Gott geschickt, jubeln sie. Zum Passahfest nun werde er in die Heilige Stadt kommen. Und das spricht sich herum wie ein Lauffeuer. Welche Wundertat er dort, in der Hauptstadt vollbringen wird, bleibt noch zu erhoffen. Aber es kündigt sich schon jetzt Großes an!

Ob er sich für die Menschen im Land einsetzen und den ungerechten König vertreiben würde?

Was auch immer dieser Jesus vorhat, die Menschen rufen ihm heute ihr "Hosianna, hilf doch" zu. Wie einen König empfangen sie ihn und setzen all ihre Hoffnung auf den Mann, der auf einem Esel einreitet. Hosianna, hilf doch, du Sohn Davids. Freude, Jubel und Palmwedel 2000 Jahre später - ein großer Tag ist das heute. Jubelkonfirmandinnen und Konfirmanden ziehen in die Corvinuskirche Stöcken ein, sieben Tage vor dem heiligen Osterfest. Es hat sich seit Wochen herumgesprochen, dass heute ein großes Fest in der Corvinuskirche stattfinden wird, an dem Sie, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden erneut eingesegnet werden: Ein großer Tag ist das heute. Und wie die Menschen vor 2000 Jahren mit einem Herz voller Hoffnungen und Wünsche dem einziehenden Jesus zugejubelt haben, so bringen auch Sie heute viele Erinnerungen an damals und viele offenen Wünsche mit in diese Kirche. Für Ihren weiteren Weg im Alter erbitten Sie seinen Segen. Einige von Ihnen bringen vielleicht mit mancher Sorge auch das Wissen mit, dass Sie hier, vor Gott und der versammelten Gemeinde an den richtigen Ort gekommen sind. Lassen Sie sich heute mit seinem Segen und seinem Abendmahl erneut stärken. Die Menschen, die Sie heute in Ihrer Konfirmationsgemeinde in Empfang nehmen, liebe Jubilarinnen und Jubilare, sind zum größten Teil andere als damals. Auch Sie selbst haben sich in diesen 50 und 70 Jahren verändert. Einen großen Teil Ihres Lebens haben Sie hinter sich. Die Hoffnungen und Sehnsüchte, die Sie heute haben, sind andere als damals. Damals am Tag Ihrer Konfirmation 1958 / 1938 haben Sie einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Dieser neue Lebensabschnitt war auf vielen Ebenen spürbar: Bei Ihrer Kleidung, dem ersten feierlichen Abendmahl in der Kirche, dem Ende der Schulzeit, das für viele von Ihnen bereits in Sicht war.

Die Zukunft lag vor Ihnen, ohne Krieg. Sie war ganz dem Aufbau der Bundesrepublik Deutschland gewidmet. Ein Feld, zu dessen Wachsen und Gedeihen Sie mit Ihrer Arbeit wesentlich beigetragen haben.

Ein weiter Raum tat sich Ihnen damals auf, ein Raum, den Sie als Jugendliche noch gar nicht ermessen konnten.

Ihre Lebensgeschichten bis zu Ihrer Konfirmation waren damals schon recht unterschiedlich. Einige von Ihnen sind vielleicht erst hinzugezogen und haben so manches in den Nachkriegswirren erfahren.

Aber Hoffnungen und Träume für eine gute Zukunft haben Sie damals sicherlich miteinander verbunden.

Für eine gute Zukunft als Heranwachsende und für eine gute Zukunft als bekennende Christinnen und Christen wurde Ihnen vor 50 und vor 70 Jahren der Konfirmationssegen zugesprochen.

Wenn Sie an Ihre Einsegnung damals denken, wie viele unterschiedliche Sehnsüchte und Hoffnungen erfüllten damals Ihre Herzen. All diese stillen Wünsche, um derentwillen Sie Gottes Segen erbaten, sind sie in Erfüllung gegangen? Das Thema Hoffnung und Sehnsucht ist ein Lebensthema. Hoffnungen, Sehnsüchte begleiten unsere Tage von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter. Sie halten uns manche Nacht wach, sie können zu großen Taten anspornen, aber auch vor Augen führen, wie sehr unser Leben von dem abweicht, was wir uns erhofft haben. Hoffnung und Sehnsucht auf eine heilvolle, erfüllte Zukunft. Palmsonntag, Gottes Ankunft in der Heiligen Stadt bahnt das größte heilsgeschichtliche Wunder: Ostern an. Mit dem Einzug des Messias in die Heilige Stadt beginnt für die gesamte Menschheit eine Zukunft des Heils. Und so ist vielleicht gerade der Palmsonntag ein Tag der Vorfreude, der Hoffnung auf Erfüllung unserer Sehnsucht. Nur wissen wir an diesem Tage noch nicht, in welcher Weise unsere Hoffnungen erfüllt werden. Wir hoffen vieles, aber in welcher Weise Gott unsere Hoffnungen erfüllen wird, bleibt verborgen. Die Menschen, die Jesus damals mit Palmenwedeln empfangen, haben große Dinge gehört: Jesus habe Lazarus nach vier Tagen vom Tode auferweckt! Ein Wunder ohne Beispiel. Das hat sie angezogen. Diese Nachricht hat sie in helle Aufregung versetzt. Sie wollen ihn sehen, den König, der Tote lebendig machen kann. Sie wollen etwas von dem Glanz zu fassen bekommen, der ihn umgeben muss. Sie wollen sich an seiner Macht, an seinem Strahlen stärken. Vielleicht würde er auch ihnen helfen! Heilen, trösten und stärken! Ihre Angst vor dem Sterben und vor dem Scheitern legen sie ab wie ein Kleid, legen es ihm zu Füßen und rufen ihm voller Hoffnung zu: Hosianna - "Hilf doch"! Hosianna, du Sohn Davids, du König Israels! Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, Hoffnungen und Sehnsüchte auf eine gute Zukunft haben nicht nur junge Menschen, auch die Alten. Die Zukunft jedoch, der Sie heute entgegengehen, liebe Jubilare, sieht anders aus als vor 50 oder 70 Jahren. Vielleicht fragen Sie sich: Wie viele Jahre sind mir noch beschieden? Was kommt auf mich zu? Werde ich von Krankheit verschont? Und wenn es mich trifft, wie werde ich damit umgehen? All das, die ganz persönlichen Sorgen und Hoffnungen sind Jesus Christus bekannt. Er zieht uns Menschen entgegen, um unsere größte Hoffnung zu erfüllen: Jederzeit ein neues Leben beginnen zu können, das frei ist von Sorge, Krankheit und Tod. Seine Zusage: "Fürchte dich nicht! Siehe, dein König kommt zu dir" ist an Sie, an uns alle gerichtet. Siehe, dein König kommt zu dir: Er kommt, damit du nicht allein bist. Er kommt, damit du deinen Weg gesegnet gehen kannst. Dass Sie dieser Zusage Jesu Christi vertrauen und sich daran freuen können, das wünsche ich Ihnen, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, und Ihnen, liebe Gemeinde von Herzen. Hosianna! Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsre Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 
     Heiligabend 2008, Christvesper um 18.00 Uhr in der Corvinuskirche
   

Predigt über Lukas 2, 1-20
von Pastorin Ann Margaret Bär

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Liebe Gemeinde, es hatten sich zwei unterhalten in jener Nacht, der Heiligen Nacht nennen wir sie, der heilsamen Nacht vielleicht, je nachdem wie es ausgehen würde. Die zwei waren einsame Gesellen gewesen, etwas gebeugt, obwohl noch in der Blüte ihres Lebens.Sie saßen in ihrer Stammkneipe, als es dunkel wurde; und sie saßen draußen in der Dunkelheit und Kälte einer sternenlosen Nacht. Draußen in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden und hüteten des Nachts ihre Herde.

Es war, wie gesagt, die Heilige Nacht angebrochen über der Menschheit. Heil und große Freude sollten allem Volk widerfahren, so verkündet man es auch heute noch in den Kirchen. Doch ob sich das bewahrheiten würde? Das konnte man jetzt noch nicht so genau abschätzen. Deutlich abschätzen konnte man zu dieser frühen Abendstunde nur den Pegel der Sehnsucht der beiden Gesellen. Der sank auch beim zweiten Glas Bier nur unerheblich. Der wurde auch nicht schwächer, je stärker die Flammen des Hirtenfeuers prasselten und die Schalmei fröhliche Lieder spielte, um der Finsternis und Kälte den Grimm zu nehmen. Die beiden Männer hatten dagesessen in ihrer Stammkneipe und bei ihrem Hirtenfeuer an diesem Abend. Sie taten das, was Menschen tun, wenn sie auf etwas warten - worauf, das war ihnen so recht klar eigentlich nicht - sie taten also, was alle unbestimmt Wartenden tun: Sie erzählten einander ihr Leben. Sie hielten einander ihre Sehnsucht hin, betrachteten sie von allen Seiten und fragten, wieso es nur so weit mit ihnen kommen konnte. Es war eine besondere Nacht, wohlgemerkt, die Heilige Nacht irgendwie vielleicht, wer wusste das schon so genau... Die beiden Wartenden wussten es auch nicht so recht. Und erzählten weiter und weiter von all den Erschütterungen des Lebens, von mutigen Aufbrüchen und überwältigendem Glück. Von den herben Rückschlägen, von Enttäuschungen und vom Alleinsein schließlich. Es war doch Weihnachten heute, Heiliger Abend. Fest der Liebe. "Das Fest der Liebe... Ist so eine neumodische Bezeichnung für den Heiligen Abend" sagte der eine, "aber das trifft genau den wunden Punkt. Bei mir jedenfalls" und dabei setzte er das Glas an. "Ja, schon", antwortete darauf der zweite und rieb sich die Ohren, "ja, schon. Ist ganz ähnlich bei mir. Kenn ich alles. Trotzdem: Auf Weihnachten lass ich nichts kommen. Das ist der einzige Abend im Jahr, an dem ich in die Kirche geh." Wenn es gegangen wäre, hätte der erste sich darauf eine angezündet, um sein Schweigen zu überbrücken. Doch so blieb ihm nichts, als sein Gegenüber anzublicken und einen weiteren kräftigen Schluck zu nehmen. "Wie habt Ihr denn Weihnachten gefeiert damals?" fragte einer der beiden. "Ganz anders als heute". "So, ja, das denke ich mir..." "Mit meiner Frau und den Kindern habe ich gefeiert. Um diese Uhrzeit etwa bin ich mit den Kindern zur Kirche gegangen. Einen wunderschönen Tannenbaum hatten die dort, das weiß ich noch. Der war bestimmt 5 Meter hoch, so einer mit echten Kerzen war das. Schön war der. Damit fing Heiligabend an. Die dunkle Kirche, die Kerzen am Baum, die Weihnachtslieder. Die Aufregung der Kinder konnte ich spüren je länger der Gottesdienst dauerte. Beim Segen konnten sie kaum still stehen und so sind wir meistens als erste raus, wenn die Orgel ertönte..." Während er redete, waren seine Mundwinkel kaum merklich etwas nach oben gerutscht. Der andere jedoch bemerkte diese Veränderung, sah sie sich an und wärmte sich ein wenig daran. Ganz vorsichtig, sie war doch so zerbrechlich. "Weißt Du", setzte der andere fort, "der Heilge Abend ist eine Nacht voller Wünsche und Hoffnungen. Manche werden erfüllt, manche nicht - das lernen schon die Kinder..." Dazu nahm sein Gegenüber einen weiteren Schluck Bier, fasste sich ein Herz und wagte die Frage, die diese Nacht entscheiden würde: Heilige Nacht, heilsame Nacht, wer weiß, vielleicht würde es ja doch noch Weihnachten werden. Mit ein bißchen Mut, vielleicht... Also fragte er: "Und wie ist das bei Dir?", fragte er, "hat man dir dein Weihnachten gemacht? Hast Du bekommen, was Du Dir gewünscht hast?" Wieder rutschten die Mundwinkel des anderen ein Stück höher. Sein Gesicht sah dabei schon beinahe froh aus. "Nein, das habe ich nicht. Meine Eltern haben sich immer viel Mühe gegeben, die Eisenbahn von damals habe ich übrigens immer noch. Aber manchmal war ich auch ein wenig enttäuscht. Besonders wenn es wieder was zum Anziehen gab..." und dann erzählte er von all den Hemden und Socken, den Mützen und Schals. Und jede dieser kindlichen Weihnachtsenttäuschungen ließ die fröhliche Stimmung dieser Heiligen Nacht steigen. Der andere kannte ähnliche Geschichten und erzählte, was er alles erlebt hatte in den Heiligen Nächten damals ... und so saßen die beiden einsamen Gesellen bei Bier und Weihnachtserinnerungen, lachten und redeten sich den Abend hell und schön. Beinahe vergaßen sie, dass sie doch auf etwas gewartet hatten.
Doch als das Feuer heruntergebrannt war und ihnen die Geschichten langsam ausgingen, da kehrte die Dunkelheit mit drückender Stille und grimmiger Kälte zurück. Schweigen senkte sich über die beiden Männer, Zuschauer ihrer eigenen Erinnerungen, die unaufhaltsam in kalter bleierner Müdigkeit ertranken. Die Heilige Nacht neigte sich ihrem toten Punkt zu.
Da begannen einige Schafe unruhig zu werden. Die Hunde hatten es längst gespürt und bellten. Etwas näherte sich von ferne.
Steif und klamm vom langen Warten, ungläubig starrten die beiden Hirten, die beiden Männer in die undefinierbare Dunkelheit. Sie konnten nichts erkennen, nichts verstehen. Sie spürten nichts außer einer diffusen Angst, die immer höher kroch und die Müdigkeit vertrieb. Was kam da aus der Dunkelheit auf sie zu? Ihr Atem stand still, da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel des Herrn sprach zu ihnen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens."
Die beiden Männer, die in der Kneipe und die auf dem Felde bei den Hürden, rieben sich die Augen, als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren. Die Klarheit des Herrn aber leuchtete noch immer um sie. Er hatte sie wohl zurückgelassen. Ein Stück Himmel auf dieser Erde, ein Stück Klarheit inmitten menschlich- diffuser Hoffnung und Sehnsucht. Heilige Nacht, heilsame Nacht...
Das drängende, verzweifelte "Mach mir doch ein Weihnachten" war von ihnen gewichen. Weihnachten war nicht machbar. Es war ganz einfach. Und es war schon längst geschehen, als sie noch immer in Erinnerungen schwelgten, als sie sich ihr Weihnachten zusammensuchten aus all den Kindheitsträumen,als sie sich um die Wartezeit zu vertreiben, einander ihr Leben erzählt hatten. Genau da musste es passiert sein.

Da standen sie auf und verließen ihre Plätze an der Theke und bei den Hürden auf dem Felde.
Schweigend liefen sie durch die Dunkelheit hin zu dem (bekannten) Ort, um die Geschichte zu sehen, die da geschehen ist, wie der Engel zu ihnen gesagt hatte.
Und sie kamen eilend an und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was sie ihnen sagten.
So, liebe Gemeinde, ist es wohl auch heute noch. Es ist, wie gesagt, auch heute wieder die Heilige Nacht angebrochen über der Menschheit. Heil und große Freude solle allem Volk widerfahren, so verkündet man es auch heute Abend in allen Kirchen. Doch ob sich das für uns bewahrheiten wird?
Dazu, liebe Gemeinde, müssen wir das tun, was die beiden einsamen Gesellen, die Kneipenmänner und die Hirten getan haben.
Zuerst müssen wir warten.
Und während Ihr Euch im Warten einrichtet, müsst Ihr einander erzählen, damit meine ich v.a. die Älteren hier, Ihr müsst Euch erzählen von Eurem Weihnachten, so wie es damals war.
Dem Zauber nachgehen, mit dem die Heilige Nacht Eure Herzen damals erfüllte, die Geschichten aus Eurem Leben, Euren Heiligen Abenden von damals.
Und dann müsst Ihr still werden ... spüren, wonach Ihr Euch heute Abend sehnt. Und wenn Euer Sehnen dann groß genug ist, (wenn die Botschaft der Engel Euren Herzen Mut genug gemacht hat) dann müsst Ihr aufstehen und Eure Plätze verlassen. Denn der Weg zur Erfüllung Eurer Sehnsucht führt hierher, nach vorne, zur Krippe. Dort müsst Ihr Euch hinwagen.
Ich weiß, das fühlt sich komisch an. Aber nur dort, an dem unscheinbarsten, kleinsten Ort der Welt, im Stall zu Bethlehem, werdet Ihr Euer Weihnachten, Euren Heiligen Abend, Eure Heilende Nacht erfahren. Amen.

Wir stimmen uns ein in den Zauber dieser Nacht und singen "Ich steh an deiner Krippen hier", Nr. 15, 1-4.







Dieser Artikel kommt von Ev. Luth. Kirchengemeinde Ledeburg Stöcken
http://www.kirchengemeinde-ledeburg-stoecken.de

Die URL für diesen Artikel ist:
http://www.kirchengemeinde-ledeburg-stoecken.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=89